Rohe Eihnachten

Heute früh hatte ich beim Aufwachen eine Idee für eine Weihnachtsgeschichte für Kinder – und das Ende Mai :-) Die Kreativität hält sich eben an keinen Kalender. Nun, ich habe diese Geschichte inzwischen am Computer eingetippt und stelle sie hier zur weiteren Verwendung zur Verfügung. Ich hoffe, sie gefällt Euch. Über Kommentare freue ich mich sehr.

Rohe Eihnachten
Eine Weihnachtsgeschichte von Franz Knipp

Es ist der 24. Dezember. Susi steht auf und holt sich die letzte Schokolade aus dem Adventkalender. „Heute kommt endlich das Christkind“, denkt sie sich und freut sich schon auf den Tag.

Wie sie zum Frühstück in die Kücke kommt, sieht sie das Wurstbrot auf ihrem Teller: „Ich mag kein Urstbrot essen, sondern lieber Marmelade!“ Sie hält kurz inne. „Ich kann kein Eeeh sagen, o ist mein e?“ Verzweifelt versucht sie den verlorenen Buchstaben wiederzufinden und sucht nach Wörtern, wo er versteckt ist: „Inter, Olken, Bade-anne.“ Leider ist kein We zu finden.

Der Papa stellt sich vor sie hin, beißt mit den Zähnen auf die Unterlippe und sagt laut: „Wwwwww!“ Susi probiert das auch, aber kein Geräuch ist zu hören. „Na gut, was soll’s?“ denkt sich Susi und freut sich über das baldige Weihnachtsfest, als sie in den Kindergarten geht.

Dort machen die Kinder einen großen Kreis, jedes Kind darf erzählen, wie es sich den Christbaum vorstellt. Susi kommt an die Reihe: „Unser Eihnachtsbaum hat eiße Kugeln.“ Die Kinder lachen über den fehlenden Buchstaben, besonders laut die Buben. „Der Illi und der Alter sind so gemein“, ärgert sie sich, und die Kinder lachen noch viel lauter. Nur ihre Freundin Wilma kommt zu Susi und nimmt sie an der Hand, und gemeinsam gehen sie in die Puppenecke: „Du darfst gerne auch Ilma zu mir sagen, wir sind ja beste Freundinnen.“

Wieder zuhause vergisst Susi das We und freut sich auf den heiligen Abend. Mama und Papa sind mit Vorbereitungen beschäftigt. Es ist schon ein wenig dunkel, da hört Susi das helle Glöckchen. Sie springt auf und läuft laut rufend zur Wohnzimmertür: „Weihnachten, endlich Weihnachten!“ und kurz darauf erkennt sie: „Mein We ist wieder da, ich kann wieder Wörter mit We sagen.“

Da öffnet Mama die Tür, und im Wohnzimmer steht eine wunderschön geschmückte Tanne. Die Familie geht hinein, und alle wissen, dass jetzt gleich Mama mit einem Weihnachtslied anfängt: „Stille Acht, Heilige Acht – Hilfe, ich ka heute kei E sige ud sage.“ Also muss Papa einspringen und ein Lied singen: „Röhliche Weihnacht überall, tönt es durch die Lut mit rohem Schall.“

„Bei Mama fehlt das En, Papa hat kein Ef mehr“, stellt Susi fest, und alle drei beginnen laut zu lachen. Mama wünscht Susi „Alles Gute zu Weihachte“, Papa ein „rohes Est.“ So ein lustiges Weihnachtsfest hatte Susi noch nicht erlebt.

Spätabends ging Susi schlafen, erschöpft vom Spielen mit den Geschenken. Am nächsten Tag hatten auch Mama und Papa die fehlenden Buchstaben wiedergefunden, und es wurden wunderschöne Weihnachtsferien.

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2 Kommentare zu “Rohe Eihnachten”

  1. M-Bro

    Hello,

    ich hab die Geschichte ned gelesen - dafür fehlt mir momentan die Zeit.
    Aber das mit den Geschichten aus dem Traum kenn ich, die sind auch immer kurios.
    Nur Weihnachten im Mai, das schaff nicht einmal ich.

    LG
    M-Bro

  2. Franz Knipp

    In diesem Fall hatte ich den Einfall nicht im Traum, sondern kurz nach dem Aufwachen, und weil ich sowieso im Bett liegen bleiben wollte (die Kinder schliefen noch), konnte ich die Geschichte fertigdenken.

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