Franz räumt auf

Ich bin ein Sammler, oder anders gesagt: Es fällt mir schwer, Sachen wegzuwerfen. Trennung ist im allgemeinen nicht mein Ding. Heute konnte ich aber dieser Schwäche in mir ein Schnippchen schlagen. Alles begann ganz harmlos: Martina störte ein Karton im Bad, der seit der Übersiedlung vor einem Jahr noch immer nicht ausgeräumt war – natürlich mit Sachen von mir.

Als ich beim Herumräumen war, entschied ich, auch gleich ein paar Fächer der Wandschränke aufzuräumen, wo sich von früher diverse Altlasten sammelten: Von der Volksschulzeit (Commodore VC20), über meine Jugend (z. B. beim Schachverein) bis zum Studium und danach war alles vertreten.

Teil davon war ein Karton mit Uni-Skripten. Der war einfach zu schwer, um ihn über die Leiter in den Dachboden zu hieven. Nachdem es niemand anderer tat, stellte ich mir selbst die Aufgabe:

Du darfst Dir davon etwas aufheben, aber nur die Hälfte. Such Dir heraus, was Du noch länger haben möchtest.

Also machte ich Vergangenheitsbewältigung und nahm Skriptum für Skriptum, Mitschrift für Mitschrift heraus und fällte die Entscheidung, ob ich einen Sinn darin sehe, das noch länger „mit mir herumzutragen“.

Besteht eine reelle Chance, dass ich mir das je wieder ansehe? Könnte ich das brauchen, um einmal etwas nachzuschauen? Oder verwende ich dann sowieso andere Quellen?

Nicht einmal 10% des gesamten Materials schaffte letztendlich den Weg in den Dachboden, der Rest landete im Altpapier.

Warum ich das schreibe? Vielleicht geht es dem einen oder anderen Leser ähnlich wie mir: Ich muss erst lernen, mich von meinen Dingen zu lösen. Die obige Aufgabenstellung macht daraus ein bisschen ein Spiel, einen Wettbewerb – das könnte dem einen oder anderen helfen, sich zu überwinden, um sich im Endeffekt von unnötigem Ballast zu befreien.

PS: Martina hat ganz schön geschaut, das hätte sie nicht erwartet. Wir werden ja sehen, welchen Weg ihre Studienunterlagen nehmen ;-)

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